Was ist der Wissensstichtag (Knowledge Cutoff Date) bei Sprachmodellen? Einfach erklärt
Der Wissensstichtag bestimmt, bis wann ein Sprachmodell Bescheid weiß. Wir erklären das Konzept, zeigen die aktuellen Stichtage der wichtigsten Modelle (Stand August 2026) und was das für die juristische Arbeit bedeutet.
Wissensstichtag (Knowledge Cutoff) einfach erklärt
Der Wissensstichtag, auch bekannt als Knowledge Cutoff, ist ein zentrales Konzept bei der Nutzung großer Sprachmodelle (LLMs) wie ChatGPT, Claude oder Gemini. Er bezeichnet den Zeitpunkt, bis zu dem die Trainingsdaten eines Modells reichen. Ohne Hilfsmittel wie eine Websuche kennt das Modell keine Ereignisse oder Entwicklungen nach diesem Datum.
Anschaulich: Der Wissensstichtag ist wie der Tag, an dem ein Nachschlagewerk aufhört, neue Einträge aufzunehmen. Alles, was danach passiert, steht nicht darin – das Modell hat es schlicht nie gelernt.
Stand dieses Beitrags: August 2026.
Zuverlässiger Wissensstichtag vs. Trainingsdaten-Stichtag
Anbieter wie Anthropic unterscheiden inzwischen zwei Werte: Der zuverlässige Wissensstichtag bezeichnet das Datum, bis zu dem das Wissen eines Modells am umfassendsten und verlässlichsten ist. Der Trainingsdaten-Stichtag ist der weiter gefasste Zeitraum der verwendeten Trainingsdaten und liegt oft später. In der Praxis ist der zuverlässige Wissensstichtag die ehrlichere Angabe – die folgenden Daten orientieren sich daran.
Übersicht der Wissensstichtage (Stand August 2026)
OpenAI (ChatGPT / GPT)
GPT-5.6 – Wissensstichtag nicht offiziell dokumentiert (Drittquellen nennen Februar 2026), veröffentlicht Juli 2026
GPT-5.5 – Dezember 2025 (23. April 2026)
GPT-5.2 – August 2025 (Dezember 2025)
GPT-5.1 – 30. September 2024 (November 2025)
GPT-5 – 30. September 2024 (August 2025)
GPT-4.1 – 1. Juni 2024 (April 2025)
GPT-4o – 1. Oktober 2023 (Mai 2024)
Anthropic (Claude)
Claude Opus 5 – zuverlässiger Wissensstichtag Mai 2026 (veröffentlicht 24. Juli 2026)
Claude Sonnet 5 – Januar 2026 (30. Juni 2026)
Claude Fable 5 – Januar 2026 (9. Juni 2026)
Claude Opus 4.8 – Januar 2026 (28. Mai 2026)
Claude Opus 4.7 – Januar 2026 (16. April 2026)
Claude Opus 4.6 – zuverlässig Mai 2025 / Trainingsdaten August 2025 (Februar 2026)
Google (Gemini)
Gemini 3.6 Flash – Trainingsdaten-Stichtag März 2026, zuverlässig in Teilbereichen nur Januar 2025 (veröffentlicht 21. Juli 2026)
Gemini 3.5 Flash – Januar 2025 (19. Mai 2026)
Gemini 3 Pro – Januar 2025 (familienweit; November 2025)
Gemini 2.5 Pro / Flash – Januar 2025 (März 2025)
Gemini 2.0 Flash – August 2024 (Januar 2025)
Weitere Anbieter
xAI Grok 4.5 – Wissensstichtag 1. Februar 2026 (kein offizielles Release-Datum publiziert)
DeepSeek V3.2 – März 2025 (1. Dezember 2025)
Mistral Large 3 – Dezember 2025 (Dezember 2025)
Meta Llama 4 – August 2024 (April 2025)
Alibaba Qwen 3.8 Max – kein offizieller Wissensstichtag publiziert (2. August 2026)
Hinweis: Modelle mit integrierter Echtzeit-Websuche (etwa Perplexity Sonar) sind nicht auf einen starren Wissensstichtag beschränkt, sondern rufen aktuelle Informationen direkt aus dem Internet ab.
Wichtig für die Praxis: Mehrere Anbieter nennen den Wissensstichtag inzwischen nicht mehr in ihren offiziellen Ankündigungen oder Modellkarten (etwa bei GPT-5.2, Gemini 3 Pro oder Grok 4). Die Angaben stammen dann aus separaten API- bzw. Modellübersichten oder – wo gekennzeichnet – aus Drittquellen. Im Zweifel gilt: nachprüfen statt annehmen.
Was bedeutet das für die juristische Arbeit?
Für seriöse juristische KI ist der Wissensstichtag praktisch irrelevant. Eine KI, die Rechtsfragen aus ihrem Trainingsgedächtnis heraus beantwortet, ist immer ein Haftungsrisiko – egal, wie aktuell dieses Wissen ist. Der einzig belastbare Ansatz lautet: sich nie auf das einprogrammierte Wissen des Modells verlassen, sondern die relevanten Quellen – Akten, Gesetzestexte, Urteile, Schriftsätze – gezielt in den Kontext laden und die Antwort ausschließlich daraus ableiten lassen. Dann zählt nicht mehr, was das Modell „gelernt“ hat oder wann sein Wissen endet, sondern allein, welche verlässlichen Quellen Sie ihm zur Verfügung stellen.
Für Kanzleien ist der Wissensstichtag besonders heikel: Gesetzesänderungen, neue Urteile oder aktuelle Fristen liegen häufig nach dem Trainingsstand eines Modells. Ein Sprachmodell „aus dem Gedächtnis“ ist daher keine verlässliche Rechtsquelle. PyleHound löst dieses Problem strukturell: Die KI arbeitet nicht aus ihrem Trainingswissen heraus, sondern ausschließlich auf den von Ihnen bereitgestellten Akten, Dokumenten und Quellen – mit belegbaren Fundstellen und automatischer Halluzinationserkennung. So spielt der Wissensstichtag des zugrunde liegenden Modells für die inhaltliche Richtigkeit Ihrer Analyse keine Rolle mehr.
)
)
)